Artikel : Rubrik : Kultur / Freizeit
Die Forscher werden für ihre Entdeckung eines Enzyms ausgezeichnet, das den Chromosomen "ewige Jugend" ermöglicht, wie das Nobelpreis-Komitee am Montag in Stockholm bekanntgab. Bedeutsam ist dies vor allem für die Krebsforschung.
Die drei Forscher haben laut Nobelpreis-Komitee das Verständnis über die molekularen Abläufe in den Zellen revolutioniert, Krankheitsmechanismen beleuchtet und die Entwicklung neuer Therapien ermöglicht. Ausgezeichnet werden die Wissenschaftler für die Entdeckung und Erforschung des Zellkern-Enzyms Telomerase. Sie suchten nach Antworten auf das alte biologische Rätsel, wie die Chromosomen bei einer Zellteilung unbeschadet kopiert werden und fanden die Lösung an den Enden der DNA-Stränge, die in den Chromosomen verpackt sind - den sogenannten Telomeren. Die Telomerase ist an der Bildung der Telomere maßgeblich beteiligt, die gleichsam wie Schutzkappen an den DNA-Strängen sitzen. Wenn die Telomere im Zuge der Zellteilung unvollständig kopiert werden, ist das ein wesentlicher Faktor für die Alterung der Zelle.
Krebszellen zeigen eine auffallend hohe Telomerase-Aktivität und können sich quasi endlos teilen. Die Suche nach Telomerase-Blockern entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Forschungsgebiete in der Krebstherapie. Diese Möglichkeit der Entwicklung von Therapien hob das Nobelpreis-Komitee in der Begründung für die Auszeichnung besonders hervor. Auch bei einigen erblich bedingten Krankheiten scheint das Enzym eine Rolle zu spielen.
Die beiden Wissenschaftler Blackburn und Szostak entdeckten 1982 zunächst einen speziellen Abschnitt in den Telomeren, der dafür zuständig ist, dass die Chromosomen die Zellteilung unbeschadet überstehen. Später konnten Blackburn und Greider das Enzym Telomerase identifizieren. Vor zwei Jahren erhielten die drei bereits den Lasker-Preis, einen der renommiertesten Wissenschaftspreise der USA.Im schwedischen Rundfunk zeigten sich die Preisträger überglücklich über ihre Auszeichnung. "Die Anerkennung für eine Grundlagenforschung aus reiner Neugierde ist wunderschön", sagte die 1961 geborene Greider, jüngste in der Runde, die an der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore arbeitet. Sie habe die Nachricht erhalten, als sie am Morgen gerade Wäsche wusch, sagte die Molekularbiologin dem Sender SR.
Die 1948 in Australien geborene Blackburn sagte, sie sei von dem Anruf aus Schweden geweckt worden und "ich denke immer noch ich träume". Sie gestand allerdings, sie habe schon bei ihrer Entdeckung geahnt, dass sie etwas Großem auf der Spur sei, sagte Blackburn, die an der University of California in San Francisco arbeitet. Der 1952 in London geborene Szostak, der unter anderem am Massachusetts General Hospital in Boston forscht, will nun ein großes Fest ausrichten.
Im vergangenen Jahr wurde der deutsche Krebsforscher Harald zur Hausen mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Mit der Vergabe des Medizinpreises beginnt jedes Jahr der Nobelpreis-Reigen. Verliehen werden die Preise, von denen jeder mit umgerechnet 980.000 Euro dotiert ist, am 10. Dezember.
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