Artikel : Rubrik : Top Story
Der seit 2004 regierende und 2007 wiedergewählte Karamanlis hatte im September wegen der schwierigen Wirtschaftslage vorgezogene Wahlen angesetzt und damit zwei Jahre vor dem Ende der regulären Legislaturperiode die Flucht nach vorn angetreten. Seine Partei, von mehreren Korruptionsskandalen erschüttert, verfügte im Parlament zuletzt nur noch über eine Mehrheit von einer Stimme. Er benötige ein "frisches Mandat", erklärte der 53-jährige Karamanlis.
Der 57-jährige Herausforderer Papandreou sagte bei der Stimmabgabe in einem nördlichen Vorort von Athen: "Gemeinsam können wir Griechenland verändern. Wir wollen es, wir können es und wir werden es schaffen." Für eine komfortable Regierungsmehrheit benötigt der ehemalige Außenminister und Sohn von Ex-Regierungschef Andreas Papandreou 152 bis 157 Sitze im 300 Abgeordnete zählenden Parlament, also 40 bis 42 Prozent aller Wählerstimmen.
Amtsinhaber Karamanlis rief seine Wähler bei der Stimmabgabe im nordgriechischen Thessaloniki auf, für "einen sicheren Ausweg aus der Krise" zu stimmen. Im Wahlkampf hatte er für den Fall seiner Wiederwahl einen einjährigen Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst angekündigt, die Bestrafung von Steuersündern sowie das Einfrieren von Gehältern und Renten. Sein Widersacher Papandreou verkündete, er werde die Wirtschaft durch staatliche Investitionen ankurbeln, mit Hilfe umweltfreundlicher Technologien hunderttausende Arbeitsplätze schaffen und die Binnenkaufkraft stärken. Allerdings hat sich auch die sozialdemokratische Pasok in der Vergangenheit durch scharfe Kürzungsprogramme und Privatisierungen öffentlicher Betriebe hervorgetan.
Der von Karamanlis versprochene Aufschwung war während seiner mehr als fünfjährigen Regierungszeit ausgeblieben. Mehrwertsteuererhöhung, Privatisierungen wie im Fall der von der Deutschen Telekom übernommenen Hellenic Telecoms (OTE) und Sozialabbau verschärften die soziale Krise. Während die Reallöhne sinken, nähert sich die Arbeitslosenrate der Zehn-Prozent-Marke. Korruption und Vetternwirtschaft grassieren. Durch das Missmanagement bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände 2007 und im vergangenen August geriet die konservative Regierung zusätzlich unter Druck.
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