Artikel : Rubrik : Deutschland
Fliegender Wechsel an der SPD-Spitze
30/09/2009, von Sharon Kohr / AFP
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BERLIN - An der Spitze der SPD herrscht reges Kommen und Gehen: Binnen fünf Jahren wechselt demnächst zum fünften Mal der Chef.


Alles deutet darauf hin, dass Sigmar Gabriel auf dem Parteitag Mitte November die Nachfolge von Franz Müntefering antritt. Am längsten im Amt war bisher Willy Brandt, der die Partei 23 Jahre lang führte.KURT SCHUMACHER (1946 bis 1952) übernahm nach dem Krieg den Wiederaufbau der deutschen Sozialdemokratie. Bei der ersten Bundestagswahl musste er sich aber Konrad Adenauer (CDU) geschlagen geben. Schumacher leitete die Partei sechseinhalb Jahre bis zu seinem Tod im August 1952.ERICH OLLENHAUER (1952 bis 1963) folgte ihm für mehr als ein Jahrzehnt als Vorsitzender - wenn auch angesichts der wiederholten Wahlniederlagen nicht immer unangefochten. Ollenhauer blieb aber bis zu seinem Tod im Amt.

WILLY BRANDT (1964 bis 1987) führte die SPD erstmals in der Nachkriegszeit an die Regierung. Den Anfang bildete 1966 die Beteiligung an der großen Koalition unter CDU-Kanzler Kurt Georg Kiesinger; es folgte 1969 die sozialliberale Koalition mit Brandt als Kanzler. Als er dieses Amt wegen der Guillaume-Affäre an Helmut Schmidt abgab, behielt Brandt den Parteivorsitz - sogar noch fünf Jahre über den Verlust der SPD-Regierungsmehrheit 1982 hinaus.

HANS-JOCHEN VOGEL (1987 bis 1991) bemühte sich anschließend darum, die SPD in der Opposition wieder zu konsolidieren. Die Kanzlerkandidatur überließ er 1990 aber Oskar Lafontaine.

BJÖRN ENGHOLM (1991 bis 1993) sollte als neuer Hoffnungsträger die SPD 1994 wieder an die Regierung führen. Nach der so genannten Kieler Schubladen-Affäre musste der Schleswig-Holsteiner den Parteivorsitz aber noch vor dem Wahltermin wieder abgeben.JOHANNES RAU (Mai 1993 bis Juni 1993) führte die SPD danach kurze Zeit kommissarisch.

RUDOLF SCHARPING (1993 bis 1995) wurde als einziger SPD-Chef per Mitgliederbefragung gewählt. Er setzte sich gegen Heidemarie Wieczorek-Zeul und den späteren Kanzler Gerhard Schröder durch. Bei der Bundestagswahl 1994 verpasste er den Wahlsieg knapp.

OSKAR LAFONTAINE (1995 bis 1999) setzte sich auf einem Parteitag per Kampfabstimmung gegen Scharping durch. Gemeinsam mit Schröder wurde er zum Architekten des Wahlsiegs 1998. Nach Meinungsverschiedenheiten mit Schröder trat Lafontaine von allen Ämtern zurück.

GERHARD SCHRÖDER (1999 bis 2004) führte Kanzleramt und Parteivorsitz wieder zusammen. Allerdings wurde ihm vorgeworfen, dem Regierungshandeln zu sehr den Vorrang gegenüber der Parteiarbeit einzuräumen. Eine Quittung von der Basis bekam Schröder im November 2003, als er mit nur noch 80,8 Prozent wiedergewählt wurde. Wenig später trat er zurück.

FRANZ MÜNTEFERING (2004 bis 2005) übernahm das Amt im März 2004. Der damalige SPD-Fraktionschef, dem ein besserer Draht zur Basis nachgesagt wurde, wollte die Partei aus der Krise führen. Nach der Niederlage seines Wunschkandidaten Kajo Wasserhövel bei der Abstimmung für das Amt des SPD-Generalsekretärs trat er zurück.

MATTHIAS PLATZECK (2005 bis 2006) wurde mit dem Traumergebnis von 99,4 Prozent zum SPD-Chef gewählt. Der brandenburgische Ministerpräsident wurde auch als möglicher SPD-Kanzlerkandidat gehandelt. Nach nicht einmal fünf Monaten gab er das Amt aus gesundheitlichen Gründen wieder ab.

KURT BECK (2005 bis 2008) sprang danach für die SPD in die Bresche. Lange hielt der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz offen, ob er auch die Kanzlerkandidatur anstrebt. Nach ungeschickten Äußerungen zum Umgang mit der Linkspartei gab er diesen Plan aber auf und ließ Frank-Walter Steinmeier den Vortritt. Beck trat am 7. September 2008 überraschend als Parteichef zurück; Steinmeier übernahm für sechs Wochen kommissarisch das Amt.

FRANZ MÜNTEFERING (2008 bis 2009) übernahm nach drei Jahren Pause im Oktober 2008 erneut den Parteivorsitz. Vor allem der linke SPD-Flügel akzeptierte ihn nur zähneknirschend, unter anderem, weil er einst die Rente mit 67 durchgeboxt hatte.

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