Artikel : Rubrik : Welt
Die Übergangsregierung erließ nach eigenen Angaben ein Dekret, das die Versammlungsfreiheit einschränkt und die Festnahme "jedes Verdächtigen" erlaubt. Die Machthaber verweigerten zudem vier Mitgliedern der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Einreise.
Die Übergangsregierung erklärte im staatlichen Fernsehen, "jede nicht genehmigte öffentliche Versammlung" zu verbieten. Zudem solle in den Medien die Ausstrahlung von Sendungen verhindert werden, die "den Frieden gefährden". Polizisten und das Militär dürften außerdem "jeden verdächtigen Menschen festnehmen". Die Verordnung, die einem Ausnahmezustand im Land gleichkommt, müsse noch im Kongress verabschiedet werden, erklärte die Interimsregierung unter Roberto Micheletti. Die Maßnahmen sollen demnach binnen 45 Tagen in Kraft treten.
Der vom Militär gestürzte Präsident Manuel Zelaya rief seine Anhänger ungeachtet der Drohungen zu weiteren Protesten auf. Zelaya war am vergangenen Montag heimlich aus dem Exil in sein Land zurückgekehrt und befindet sich seitdem in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa. Für Montag ist ein "finaler Protestmarsch" seiner Anhänger geplant.Am Sonntag verweigerte die Putschregierung außerdem vier Mitgliedern der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) die Einreise. Nach Angaben eines Delegationsmitglieds hielten Beamte fünf OAS-Vertreter nach ihrer Ankunft am Flughafen der Hauptstadt Tegucigalpa stundenlang fest. Vier mussten dann das Land wieder verlassen. Es handelt sich um einen Kanadier, zwei US-Bürger sowie einen Kolumbianer. Ein Delegationsmitglied wurde direkt in die USA zurückgeschickt, die anderen drei nach Costa Rica. Die OAS-Delegation sollte eine offizielle Vermittlungsmission vorbereiten.
Die Übergangsregierung drohte Brasilien damit, der Vertretung in Tegucigalpa den diplomatischen Status zu entziehen. Sollte das Land nicht binnen zehn Tagen über den Status von Zelaya befinden, verliere die Botschaft ihre "diplomatischen Konditionen", sagte der Außenminister der Putschregierung, Carlos Lopez Contreras, auf einer Pressekonferenz. Er rief Brasilien zudem auf, Zelaya zur Aufgabe seiner "Aufrufe zur Gewalt" zu bewegen.Die Machthaber hatten bereits am Samstag ein ähnliches Ultimatum geäußert. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva wies dies jedoch umgehend entschieden zurück und erklärte, Brasilien erkenne die Regierung unter Micheletti nicht an.
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