Artikel : Rubrik : Welt
15 Menschen werden nach dem Schiffsunglück vom 13. Januar noch vermisst, die Suche nach ihnen wird dennoch heute eingestellt. Für die Bergungstaucher sei es mittlerweile zu gefährlich. Außerdem kommen neue Vorwürfe gegen den Kapitän auf.

Die Rettungsmannschaften haben die Vermisstensuche im Wrack des Ozeandampfers Costa Concordia am Dienstag endgültig eingestellt. Ein Sprecher der italienischen Feuerwehr hat die Nachrichtenagentur heute mittag über den Abbruch der Suchaktion informiert. Die Sicherheit der an der Suche beteiligten Taucher sie nicht mehr zu gewährleisten. Die Familien der Vermissten sowie die Botschaften ihrer Herkunftsländer wurden ebenfalls über die entscheidung unterrichtet.

Bisher wurden 17 Tote aus dem vor der Mittelmeerinsel Giglio gekenterten Riesenschiff geborgen. Die Hoffnung, mehr als zwei Wochen nach dem Unglück noch Überlebende im Schiffsrumpf zu finden geht schon seit einigen Tagen gegen Null. Laut Feuerwehr werde aber weiter in bestimmten, zugänglichen Teilen des Wracks sowie in der Umgebung nach Leichen gesucht.

Inzwischen wurde ein sechstes deutsches Opfer identifiziert, es handelt sich um eine 66jährige Frau aus Baden-Württemberg. Unter den jetzt noch 15 Vermissten sind sechs deutsche Staatsbürger.

An Land geht derweil die Aufarbeitung des Unglücks weiter. Der Bordarzt der Costa Concordia, Gianluca Marino Cosentino, sagte in einem Interview mit der neapolitanischen Tageszeitung "Il Mattino", dass der Kapitän des Dampfers, Francesco Schettino, die Evakuierung viel zu spät oder auch gar nicht angeordnet hätte. Die Besatzung sei bereits eine halbe Stunde zur Evakuierung bereit gewesen, bevor die offizielle Durchsage über die Lautsprecher kam. Diese Stimme im Lautsprecher sei "zu 90% nicht die Stimme des Kommandanten" gewesen, so Cosentino. Der Kapitän sei nach Eindrücken des Bordarztes nicht seinen Koordinierungspflichten nachgekommen, er habe geschockt und "nicht bei sich" gewirkt.

Die Reederei Costa Crociere hat ihr Entschädigungsangebot für überlebende Passagiere mittlerweile nach Absprache mit italienischen Verbruacherschutzorganisationen von 11.000 Euro auf 14.000 Euro erhöht. Wer diese Summe annimmt, darf allerdings nicht mehr gegen die Reederei klagen. Codacons, eine Verbraucherschutzorganisation, die an den Verhandlungen nicht beteiligt war, rät Passagieren, die 14.000 Euro nicht anzunehmen und sich statt dessen an einer Sammelklage in den USA zu beteiligen, bei der 125.000 Dollar für jeden Passagier gefordert werden. 

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