Artikel : Rubrik : Sport
22 Punkte zum 22.
29/01/2012, von Tom Rüdell
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Spannung bis zum Schluss: Die TBB Trier gewinnt am Sonntag abend mit 75:74 gegen EnBW Ludwigsburg. Matchwinner: Maik Zirbes, der an seinem 22. Geburtstag 22 Punkte auflegte. (Foto: Thewalt.)

Am Ende war Geburtstag: Der Fanblock der Arena Trier singt zweimal "Happy Birthday", zwei junge Fans bringen den beiden Geburtstagskindern Maik Zirbes und Dru Joyce eine Geburtstagstorte, die sie zu zweit kaum tragen können. Zirbes bedankt sich breit grinsend, bietet reihum an, Coach Henrik Rödl winkt lachend ab, so als müsse er auf seine Linie achten. Die Stimmung ist, nach einem harten Abend, euphorisch. Teambetreuer Philipp Pompejus nimmt Zirbes den Riesenkuchen schließlich ab, damit der Interviews geben kann. Der derzeit beste deutsche Center ist ein gefragter Gesprächspartner, denn er hat an seinem 22. Geburtstag ein Riesenspiel gemacht, ist mit symbolträchtigen 22 Punkten, starken 9 Rebounds und lupenreinen 12/12 Freiwürfen der Mann, der einen hauchdünnen 75:74-Sieg gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf EnBW Ludwigsburg ermöglicht hat.

Dragans Trick wird Maiks Mantra

Und er plaudert aus dem Nähkästchen: "Das war ein richtiges Kellerduell und der Sieg sehr wichtig, allein schon für unser Selbstbewusstsein. Ich bin wirklich sehr sehr froh, dass wir das gepackt haben." Sein Freiwurftrick passt zum Geburtstagsthema: "Ich lerne sehr viel von Dragan Dojcin, und mir ist aufgefallen, dass er vor jedem Freiwurf mit sich selbst redet. Also dachte ich mir, das mache ich jetzt auch. Vor jedem Freiwurf sage ich laut zu mir selbst 'Geschenkte Punkte'. Denn es ist ja so, die Aktion vorher ist gelaufen, und man hat zwei Punkte geschenkt bekommen - man muss sie sich nur noch holen."

Das Mantra funktionierte, Zirbes Freiwurfbilanz war makellos. Mehr Mühe als ihr Center hatte dagegen die TBB, sich die zwei Tabellenpunkte zu holen.

Schon zu Beginn der Partie war die Anspannung spürbar, die sich später in der Szene mit den zwei Mädels und der Torte so sichtbar löste. Beide Teams brauchten diese zwei Punkte so nötig wie die Luft zum Atmen, wenn sie nächstes Jahr noch im Oberhaus mitmachen wollen. Ludwigsburg erwischte den besseren Start in ein Kampfspiel, Nachwuchsmann Tim Koch gelangen gleich sieben Punkte in Folge, zwei Dreier, davon einer mit Foul, Routinier Jerry Green legte zum 4:9 nach. Da hatte die TBB schon drei Fahrkarten von jenseits der Dreierlinie geschossen. Dru Joyce und die ersten Freiwürfe von Maik Zirbes führten Trier heran, Nate Linhart besorgte mit einem schwierigen Distanzwurf nach schwer zu kontrollierendem Pass von Dru Joyce die erste Trierer Führung zum 10:9. Als Dru Joyce per Dreipunktspiel zum 13:9 erhöht, muss Gästecoach Steven Key die erste Auszeit nehmen. Und er wechselt aus, bringt Neuzugang Anthony Fisher.

Der trifft gleich zwei Dreier in Folge und bringt mit seinem blitzschnellen Distanzschuss die TBB-Defense noch verschiedene Male in Bedrängnis - Ludwigsburg trifft insgesamt souverän aus der Distanz und führt zur Viertelpause verdient mit 20:24. Fisher hatte davon 10 erzielt.

Problem: Offene Dreier. Lösung: Bessere Defense.

Das blieb im zweiten Viertel so, Ludwigsburg weiter mit guten Quoten, die TBB bemüht in der Defense, aber an der Dreierlinie oft den berühmten Schritt zu langsam. Rödl hatte Zirbes im zweiten Abschnitt recht lange auf die Bank beordert, um ihn vor dem drohenden dritten Foul zu schützen - Andreas Seiferth vertrat ihn nach Kräften, wurde von den Ludwigsburer Langen Kurt Looby und Ermin Jazvin aber hart rangenommen. Wieder fängt sich die TBB den weit offenen Dreier von Tim Koch zum 27:31. Es steht 39:44 zur Halbzeitpause, noch ist alles drin für die Hausherren, wenn es ihnen gelingt, das Dreierproblem in den Griff zu kriegen. Wie Maik Zirbes später analysiert: "Es ist schlecht für den eigenen Kopf, wenn man gut verteidigt und kurz vor Ende der Angriffszeit einen Dreier ins Gesicht bekommt - dann geht die Motivation flöten und man fängt im nächsten Angriff wieder einen." Ein Umstand, auf den Henrik Rödl in der Pausenbesprechung aufmerksam machte - mit Erfolg.

Denn nach der Pause begann die TBB damit, ihre Dreier zu treffen, erst Linhart, direkt danach Joyce zum 45:48, Maik Zirbes kann dann mit zwei Freiwürfen die Führung zurück an die Mosel holen: 51:50. Doch Ludwigsburgs Fisher erobert sie eindrucksvoll zurück: ein Dreier mit der Sirene ins Gesicht von Nate Linhart - genau davon hat Maik Zirbes gesprochen. Aber Trier behält die Nerven, intensiviert die Verteidigung und attackiert das Ludwigsburger Brett, wo der verletzte John Bowler eine Lücke gelassen hat und der eilig nachverpflichtete Rückkehrer Ermin Jazvin sich noch nicht zurechtfindet. Eine solide Freiwurfquote und ein Dreier von James Washington sorgten für den 61:61-Pausenstand vor dem Schlussviertel.

Zu Beginn des letzten Abschnitts zeigte sich wieder zunehmend die Nervosität auf beiden Seiten, Trier leistet sich zwei Ballverluste, Ludwigsburg kann zweimal hintereinander einfache Körbe nicht abschließen, Trier den Rebound nicht sichern. John Bynum besorgt dann mit viel Ruhe das 66:65, kurz darauf macht er das 70:65 - die TBB schien sich dann doch noch absetzen zu können.

Doch auch auf Seiten der Gäste übernahm jetzt der Routinier: Jerry Green  traf wichtige Distanzwürfe, zwei Minuten vor Schluss steht es wieder 72:74, die Schlussphase wird hektisch - wer würde jetzt die Nerven haben?

Es ist Nate Linhart, der sich quasi symbolisch an Zirbes' Geburtstagsgeschenk beteiligt: bei 1:48 Restspielzeit trifft der vielleicht beste Defensivspieler der TBB Trier den entscheidenden Dreier zum 75:74. Danach fällt kein Korb mehr, weil Trier hart und intelligent verteidigt und Ludwigsburg Korb um Korb liegen lässt. Anthony Fisher wird beim letzten Korbleger der Partie hart aber fair abgeräumt, der Rest ist grenzenloser Jubel von gut 3000 Trierer Fans. Und eine große Torte.

Die TBB gibt den Abstiegsplatz an Ludwigsburg ab und nimmt deren 16. Platz ein - doch das rettende Ufer ist das noch längst nicht.

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