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Costa Concordia: War der Kapitän abgelenkt?
23/01/2012, von Tom Rüdell
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Zuviele Unbefugte auf der Brücke sollen den Kapitän des Unglücksdampfers vor dem Unglück am 13. Januar abgelenkt haben, so eine Deckoffizierin. Unterdessen wird die Bergung des rutschenden Wracks zunehmend schwieriger.

Gäste auf der Brücke sollen den Kapitän der Costa Concordia, Francesco Schettino, kurz vor dem fatalen Schiffsunglück am 13. Januar von seiner Arbeit abgelenkt haben. Das behauptet die Deckoffizierin Silvia Coronika vor dem Untersuchungsausschuss. Verschiedene italienische Tageszeitungen zitierten am Montag aus den Verhörprotokollen der Ofiiziere. Das Gerede auf der Brücke, unter anderem die Frage, welche Insel zu sehen sei, habe "beim Navigieren gestört". Es habe sich um Personen gehandelt, die der Kapitän selbst mit auf die Brücke gebracht habe.

Schettinos Rolle während des Unglücks wird zunehmend undurchsichtiger. Der Kapitän hatte das Schiff verlassen, bevor die Evakuierung beendet war, er hatte später behauptet, er sei unabsichtlich in ein Rettungsboot gefallen. In Funksprüchen mit der Hafenpolizei und auch nach dem Unglück, bei dem mindestens 13 Menschen ums Leben kamen, hatte er immer wieder versucht, die Lage zu verharmlosen.

Noch eine mysteriöse Frau?

Bereits vor einigen Tagen hatten die Aussagen einer jungen Moldawierin für Verwirrung gesorgt, die auf keiner Passagierliste auftaucht, sich aber zum Unglückszeitpunkt ebenfalls auf der Brücke aufgehalten haben soll. Am Montag tauchten Meldungen über eine weitere Frau auf, die Schettino am Tag nach dem Unglück, vor seiner Festnahme im Hotel traf. Die Frau soll sich als Anwältin der Reederei ausgegeben haben. Sie wollte verhindern, dass Schettino ein Interview gab. Dann sei der Kapitän mit ihr weggegangen und habe dabei seinen Laptop dabei gehabt - der mittlerweile unauffindbar ist.

Möglicherweise hat Schettino versucht, den Rechner mit sensiblen Informationen an die mysteriöse blonde Frau weiterzugeben, das vermutet zumindest der "Corriere della Sera" in seiner Montagsausgabe.

Drogentest negativ - Bergungsarbeiten gehen weiter

Ein gerichtlich angeordneter Drogentest hat mittlerweile ergeben, dass Schettino nicht unter Drogen stand. Der Kapitän wurde aus der Untersuchungshaft entlassen und unter Hausarrest gestellt. Ihm werden mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen seines Schiffes während der Evakuierung zur Last gelegt, im Fall einer Verurteilung muss der 52jährige für 15 Jahre ins Gefängnis.

Unterdessen gehen die Bergungsarbeiten am Wrack der Costa Concordia weiter. Es wird weiter nach Vermissten gesucht und mit den Vorbereitung zum Abpumpen des Schweröls begonnen. Beide Arbeiten gestalten sich als schwierirg, die Taucher müssen sich den Weg durch das Schiffswrack freisprengen. Das Wrack rutscht immer weiter von dem Felsen, auf den es aufgelaufen ist, ins Mittelmeer.

Am Sonntag hatten die Taucher eine 13. Leiche entdeckt. Die italienischen Behörden gehen aktuell von 24 weiteren Vermissten aus. Allerdings haben sich offenbar einige blinde Passagiere an Bord befunden, so dass die endgültige Vermisstenzahl nur schwer bis gar nicht zu beziffern ist.

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