Artikel : Rubrik : Deutschland
Platzeck fordert Versöhnung mit SED-Erben
31/10/2009, von Kristyna Bufkova/AFP
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Kurz vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls hat Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) eine Versöhnung mit den Erben der SED gefordert.

"Zwei Jahrzehnte nach dem revolutionären Umbruch in der DDR müssen wir in Deutschland endlich anfangen, es mit dem überfälligen Prozess der Versöhnung wirklich ernst zu meinen", schrieb Platzeck in einem Beitrag für den "Spiegel". Quer durch die ostdeutsche Gesellschaft ziehe sich "auch nach 20 Jahren noch immer - und sogar wieder zunehmend - ein ungesunder Riss".

"Barrieren wurden wieder aufgerichtet, Spaltungen haben sich verfestigt", klagte der Potsdamer Regierungschef, der in der vergangenen Woche eine Koalition mit der Linken vereinbart hatte. In seinem Appell lobte Platzeck als Beispiel für gelungene Integration versöhnliche Gesten des früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher gegenüber der Waffen-SS. Schumacher, der fast zehn Jahre lang KZ-Häftling war, hatte 1951 einen versöhnlichen Umgang mit den überlebenden Mitgliedern der Waffen-SS als "menschliche und staatsbürgerliche Notwendigkeit" bezeichnet.

Der seit 1990 vereinigten Bundesrepublik sei im Vergleich zum Westdeutschland der Nachkriegszeit "zwar eine bemerkenswerte, richtige und bessere Aufarbeitungsleistung gelungen", schrieb Platzeck, "eine vergleichbare Integrationsleistung jedoch nicht".Im Verhältnis zur Linkspartei als Nachfolgeorganisation der SED gehe es "immer auch um die Last der Geschichte".

"Diese Macht der Vergangenheit ist gut erklärlich", schrieb Platzeck, "aber sie tut Ostdeutschland nicht gut, und sie tut der politischen Kultur in unserer seit 1990 vereinigten Republik nicht gut."  "Ob wir die richtigen Lehren aus der Geschichte ziehen, erweist sich weniger in ritualisierter Vergangenheitsbewältigung als in unserer Bereitschaft zu tätigem Neubeginn", schrieb der frühere Bürgerrechtler. "Wer sich dazu bereitfindet, muss Demokraten willkommen sein."

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