Artikel : Rubrik : Deutschland
Von der Berliner Mauer ist noch genug da
31/10/2009, von Kristyna Bufkova/AFP
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BERLIN - Was zunächst so schnell wie möglich aus dem Stadtbild verschwinden sollte, ist wieder gefragt: Touristen aus der ganzen Welt kommen, um zu sehen, was Berlin einst teilte. Doch nur an wenigen Orten blieb die Mauer stehen.

Das kleine Stück Berliner Mauer tanzt in einem runden Plastik-Kokon inmitten einer Postkarte. Sie kostet 2,50 Euro, und Volker Pawlowski ist sicher: Das Betonbröckchen ist echt. Der ehemalige Isolierer aus dem Berliner Bezirk Reinickendorf ist der Herr über die Reste des "antifaschistischen Schutzwalls", wie die Mauer im DDR-Jargon hieß. Er hat das weltweit größte Lager mit mehreren hundert Tonnen Mauer, von 3,80 Meter hohen Segmenten bis hin zu jenen Bröseln, die Touristen in der deutschen Hauptstadt gerne erwerben, voller Stolz noch ein Stück ergattert zu haben.

Doch selbst 20 Jahre nach dem Fall des Bauwerks ist kein Ende abzusehen. "Es gibt noch genug Mauer", sagt der 52-jährige Pawlowski, "das reicht so lange, dass ich den Ausverkauf nicht mehr erleben werde."  Zwei Jahre nach dem 9. November 1989 fing er an, die Betonteile auf Recyclinghöfen zu erwerben. Damals interessierte sich niemand für sie, und Pawlowskis Freunde zeigten ihm einen Vogel, berichtet er.

"Aber ich habe damals gefühlt: Wenn alles weg ist, ist wieder ein Bedarf da", sagt Pawlowski. Er behielt Recht. Das, was zunächst so schnell wie möglich aus dem Stadtbild verschwinden sollte, ist wieder gefragt. Touristen aus der ganzen Welt kommen, um zu sehen, was Berlin einst teilte. Doch das ist schwer, denn nur an drei Orten blieb die Mauer stehen, alle drei im Bezirk Mitte. Einer ist die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße, ein anderer befindet sich nahe dem Berliner Abgeordnetenhaus an der Niederkirchnerstraße. Weitere 15 Meter sind in der Liesenstraße stehen geblieben.

Nicht viel von einst 160 Kilometern, die die Stadt zerteilten, unbarmherzig, wie mit einem Messer.Rund 130 Menschen starben bei dem Versuch, die Mauer zu überqueren. Ihnen gilt vor allem das Gedenken im Museum am Checkpoint Charlie, das zu den meistbesuchten Museen Berlins gehört. Mehr als 800.000 Menschen kommen jährlich in das Museum am ehemaligen Grenzübergang zwischen US-amerikanischem Sektor und Ost-Berlin, um sich zu informieren.

"Viele junge Leute wissen nicht mehr, was die Mauer war, aber sie sind lernwillig und nehmen vor allem eine Botschaft mit: die der Freiheit", sagt Inhaberin Alexandra Hildebrandt.Über die Unwissenheit der Touristen kann Kathrin Schmidt, Verkäuferin in einem Andenkenladen am Potsdamer Platz, oft nur den Kopf schütteln.

"You are leaving the American sector, lesen die Jugendlichen auf einer Postkarte und fragen: Was meinen die damit?", sagt sie. Manche Jugendliche denken gar, die Mauer sei im Dritten Reich errichtet worden. Dann erzählt die 55-Jährige den jungen Leuten, wie es damals war, als die Heinrich-Heine-Straße, wo sie wohnte, noch im Ostteil lag und ihre Kinder direkt an der Mauer zur Schule gingen.

Direkt vor ihrem Laden verläuft die doppelte Kopfsteinpflaster-Reihe, die heute in ganz Berlin den Verlauf der Mauer anzeigt. Sie kam erst nach langem Kampf im Berliner Abgeordnetenhaus zustande, genauso wie der Mauer-Radweg, den der Grünen-Politiker und jetzige Europaparlamentarier Michael Cramer ins Leben rief.

Anfangs wurde er für seine Idee belächelt, inzwischen weitete er sie zu einem Radweg entlang dem Eisernen Vorhangs aus: Fast 7000 Kilometer ist er lang, von Finnland bis zum Schwarzen Meer, und findet jedes Jahr mehr Zweiradfans, die sich auf den historischen Weg machen.







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