Artikel : Rubrik : Welt
Die Präsidentschaftswahl in Afghanistan sollte die Demokratie im Land stärken und damit den Einfluss der Taliban verringern. Aus Angst vor Anschlägen blieben jedoch viele Wähler zu Hause, die massiven Wahlfälschungen haben das Image der Demokratie in Afghanistan nicht verbessert. Der bevorstehende Winter macht die Organisation des zweiten Wahlgangs in zwei Wochen nun zu einer enormen logistischen Herausforderung. Und auch an der schlechten Sicherheitslage am Hindukusch hat sich nichts geändert.
SICHERHEITSLAGE
Seit dem ersten Wahlgang am 20. August wurde allein die Hauptstadt Kabul von fünf Selbstmordanschlägen erschüttert, vor allem im Süden und Osten des Landes ist die Lage weiter kritisch. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach bereits von einer "enormen Herausforderung".
Die Sicherheit sei von höchster Bedeutung für die Organisation des zweiten Wahlgangs, betonten auch Amtsinhaber Hamid Karsai und sein Herausforderer, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah.Bei der ersten Abstimmung sollten bereits 200.000 afghanische Sicherheitskräfte und 100.000 ausländische Soldaten für Sicherheit sorgen. Trotzdem mussten hunderte Wahllokale aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben. Mehr Sicherheitskräfte werden im November allerdings kaum im Land sein.
GERINGE WAHLBETEILIGUNG
Beim ersten Durchgang lag die Wahlbeteiligung bei 38,7 Prozent. Vor allem im unruhigen Süden und Osten des Landes, wo sich im August teilweise nur fünf Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen trauten, könnte die Wahlbeteiligung noch geringer ausfallen als beim ersten Mal. Wie aus der Stichwahl ein demokratisch legitimierter Präsident hervorgehen soll, ist daher fraglich.
MANIPULATIONEN
Wegen Betrugs wurden nach der ersten Runde hunderttausende Stimmen für ungültig erklärt. Die UNO hat die afghanischen Behörden angesichts der massiven Fälschungen aufgefordert, beim zweiten Wahlgang mehr als 200 Wahlhelfer auszuwechseln. Sie hätten sich nicht an Anweisungen gehalten und sich an Manipulationen beteiligt, erklärte UN-Generalsekretär Ban.
Die internationale Kontrolle wird vermutlich jedoch schwieriger: Beim ersten Wahlgang im August war die EU mit 120 Beobachtern vertreten, bei der zweiten Abstimmung werden es wohl deutlich weniger sein. Es sei unmöglich, in so kurzer Zeit eine große Zahl von Wahlbeobachtern zu mobilisieren, sagte der schwedische Außenminister und amtierende EU-Ratspräsident Carl Bildt am Mittwoch.
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