Artikel : Rubrik : Welt
Präsident Hamid Karsai bestätigte, dass er in zweieinhalb Wochen gegen den früheren Außenminister Abdullah Abdullah in die Stichwahl gehen werde, und bezeichnete dies als "einen Fortschritt für die Demokratie" in Afghanistan.
Jetzt sei nicht die Zeit, über Untersuchungen zu diskutieren, sagte Karsai auf einer Pressekonferenz. Vielmehr müssten Fortschritte hin zu "Stabilität und nationaler Einheit" erzielt werden. Die Afghanen rief er auf, an der zweiten Runde der Wahlen teilzunehmen. Abdullah erklärte sich mit der Stichwahl nach Angaben seines Sprecher einverstanden.Karsai kam nach dem offiziellem Endergebnis auf 49,67 Prozent, wie IEC-Sprecher Noor weiter mitteilte. Er verpasste damit die absolute Mehrheit knapp, was die Stichwahl erforderlich macht. Das Ergebnis von Abdullah werde am Mittwoch auf einer Pressekonferenz verkündet, sagte Noor. Die Verkündung des offiziellen Endergebnisses kam auf den Tag genau zwei Monate dem ersten Durchgang vom 20. August.
Nach dem vorläufigen Ergebnis hatte Karsai im ersten Durchgang rund 55 Prozent der Stimmen erzielt. Bei diesem Ergebnis wäre Karsai direkt wiedergewählt gewesen. Die von der UNO unterstützte afghanische Wahlbeschwerdekommission hatte am Montag jedoch die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wegen Betrugs für ungültig erklärt. Die endgültige Entscheidung musste aber die IEC treffen, die als Karsai-freundlich gilt.
Der US-Senator John Kerry begrüßte die Ankündigung der IEC und bezeichnete die Stichwahl als "große Möglichkeit" für Afghanistan. Zuvor war der internationale Druck auf Karsai angewachsen, einer möglichen Stichwahl zuzustimmen. Es sei "sehr wichtig", dass es einen zweiten Wahlgang gebe, sagte etwa der französische Außenminister Bernard Kouchner. Dies wäre ein "Demokratiebeweis".Die Abhaltung einer Stichwahl am 7. November birgt erhebliche organisatorische Schwierigkeiten. Angesichts des hereinbrechenden Winters und der Gefahr durch Anschläge der Taliban fürchten Beobachter eine noch niedrigere Wahlbeteiligung als die 38,7 Prozent im ersten Durchgang. Zuletzt wurde immer wieder auch über die Bildung einer Einheitsregierung spekuliert, bei der Abdullah in das Kabinett Karsais eingebunden wäre.
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